
Skin of Glass
Regie: Denise Zmekhol
Der Dokumentarfilm «Skin of Glass» der brasilianisch-kalifornischen Filmemacherin Denise Zmekhol taucht ein in die wechselvolle Geschichte des «Skin of Glass» («Pele de Vidro») genannten Opus magnum ihres Vaters, des Architekten Roger Zmekhol (1928–1976). Der in den 1960er-Jahren errichtete 24-stöckige Büroturm war eines der ersten Gebäude mit Glasfassade in São Paulo, eine Architekturikone der Moderne und als solche ein Symbol für Fortschritt und Wohlstand. Doch mit der Militärdiktatur nahm seine Geschichte eine tragische Wendung. Bis 2003 war hier die Bundespolizei einquartiert, danach stand das «Pele de Vidro» leer, ehe es zur grössten vertikalen Favela São Paulos mutierte, einem Mahnmal für das Versagen der Stadtregierung angesichts der grassierenden Wohnungsnot. Im Frühling 2018 brachte ein Brand das Gebäude zum Einsturz, zahlreiche Bewohner:innen fanden den Tod. Durch die geschickte Verflechtung von persönlicher und politischer Erzählung gelingt Denise Zmekhol mit «Skin of Glass» eine vielschichtige Reflexion über Urbanismus, Politik und soziale Ungerechtigkeit und zugleich eine späte Auseinandersetzung als Tochter mit ihrem Vater – auf persönlicher Ebene sowie als Künstler und Architekt. Dabei kommen auch zahlreiche Wegbegleiter:innen von Roger Zmekhol zu Wort, wie etwa Paulo Mendes da Rocha, aber auch Aktivist:innen der Hausbesetzerszene.