
Miséricorde
Regie: Alain Guiraudie
Darst.: Félix Kysyl, Catherine Frot, Jean-Baptiste Durand, Jacques Develay, David Ayala u.a.
Nach zehn Jahren in der Grossstadt Toulouse kehrt Jérémie in seinen Heimatort Saint-Martial im Südosten Frankreichs zurück, um an der Beerdigung des Dorfbäckers Jean-Pierre teilzunehmen. Dieser war sein Lehrmeister – und vielleicht auch mehr. Die Witwe Martine lädt Jérémie ein, über Nacht zu bleiben, woraus schliesslich ein Aufenthalt von unbestimmter Dauer wird. Vincent, der gewaltbereite Sohn des Verstorbenen, empfängt Jérémie mit Argwohn, aber auch mit unterschwelligem Begehren – und verschwindet eines Tages spurlos … Thomas Abeltshauser schreibt in epd Film: «Was führt der Heimkehrer im Schilde? Und was hat es mit dem Titel ‹Misericordia›, lateinisch für Barmherzigkeit, auf sich, einem der zentralen Begriffe der christlichen Glaubenslehre? Zumal von einem Regisseur wie Alain Guiraudie, der sich in seinen Filmen wie ‹L’Inconnu du Lac› dem Begehren in all seinen Ausformungen widmet. Auch hier entwickelt sich, was zunächst als Provinzposse erscheint, im Laufe der Zeit zu einer philosophisch verspielten Fantasie über Begierden, die sich ausbreiten und unvorhersehbar spriessen wie die Pilze im Waldboden am Rande des Dorfs. Und die dunklen Triebe, die daraus gedeihen. (…) Für die Cahiers du cinéma war dieses verschmitzte Vergnügen gar der beste Film des vergangenen Jahres. Eine gute Gelegenheit allemal, in Guiraudies ganz eigenes Universum einzutauchen.»