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The Reunion
Regie: Anna Odell
Darst.: Sandra Andreis, Kamila Benhamza, Anders Berg, Jimmi Carlberg, Erik Ehn, Niklas Engdahl, Per Fenger-Krog, Robert Fransson u.a.
Die Klassenzusammenkunft einer Stockholmer Mittelschulklasse ist Ausgangspunkt für das Langfilmdebüt von Anna Odell. Die 1978 geborene Künstlerin spielt sich selbst in diesem verstörenden Hybrid aus Dokumentation und Spielfilm. Anna Odell geht an die Klassenzusammenkunft, bei der in heiterer, alkoholseliger Stimmung in den Tischreden der wundervollen alten Zeiten gedacht wird. Als schliesslich auch Anna das Wort ergreift, schlägt die Stimmung um – ähnlich wie in «Festen» von Thomas Vinterberg. Odell konfrontiert ihre ehemaligen Mitschüler mit unbequemen Wahrheiten, schildert, wie sie damals systematisch gemobbt wurde und gibt auch dann keine Ruhe, als man sie mit dem Argument: «Wir waren halt Kinder» zum Schweigen bringen will – der festliche Abend endet im Chaos. Nach diesem ersten, mit «Das Treffen» betitelten Teil führt Anna Odell Ausschnitte dieses Filmes in einem zweiten, mit «Die Treffen» bezeichneten Teil einzelnen realen Mitschülern vor und filmt deren Reaktionen. Anna Odell ist in ihrer Heimat Schweden vor allem durch ihr umstrittenes Kunstprojekt «Unknown Woman 340701» (2009) bekannt, bei dem sie einen Selbstmordversuch vortäuschte und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. All dies liess sie heimlich filmen – und klärte das Klinikpersonal am nächsten Tag darüber auf, dass sie diese Kunst-Inszenierung realisiert habe, um eine Diskussion über die schlechte Behandlung von Patienten im schwedischen Gesundheitssystem anzustossen. Das Kunstprojekt hatte einen realen Hintergrund, handelte es sich doch um die Rekonstruktion von Erlebnissen, die Odell als Fünfzehnjährige gemacht hatte. Nachdem «The Reunion» bei der Premiere 2013 am Filmfestival von Venedig bereits den Fipresci-Preis erhalten hatte, wurde der Film im vergangenen Januar von der Schwedischen Filmakademie mit dem «Goldenen Käfer» ausgezeichnet, dem Preis für den besten einheimischen Film des Jahres.